Warum lehrt und forscht die Universität Zürich zum Thema Sport?
Sport ist weltweit ein wichtiges wirtschaftliches und gesellschaftliches Thema, das nicht nur während grösseren Megaveranstaltungen rund um die Fussball-Weltmeisterschaft oder die Internationalen Olympischen Spiele Menschen bewegt. Noch vor der globalen Pandemie 2020 machte der Sport ca. 1-2% des weltweiten BIPs aus. Die globale Unterhaltungs- und Medienbranche hat einen geschätzten Wert von über USD 2'000 Milliarden. Die Sportindustrie (exkl. Sportbekleidung) wird auf über USD 200 Milliarden geschätzt.
Den Sport verstehen
Dabei fasziniert das Thema Sport nicht nur Fans am Stammtisch und in den Stadien. Der Sport generiert eine immense Aufmerksamkeit, die auch ausserhalb des Spielfelds viele Menschen anspricht und unsere Gesellschaft und Kultur massgeblich beeinflusst und prägt. Es ist deshalb nicht überraschend, dass in einer zunehmend komplexeren Welt, auch der Sport eine zunehmende intellektuelle Bewegung mit sich zieht: Neben den Kulturschaffenden (Film und Musik) und Medien, die schon seit Jahrzehnten diese Aufmerksamkeit aktiv (mit)fördern, setzen sich Forschende aus Mathematik, Physik und Statistik mit komplexen Analysen in grösseren Sportarten, wie z.B. Baseball, Basketball, Eishockey und Fussball auseinander.
Ökonom*innen faszinieren sich für die Besonderheiten des Sports und analysieren beispielsweise Verteilungsmechanismen verschiedener Wettbewerbs-Formate und deren Einfluss auf die verschiedenen Akteure (Ligen, Clubs, Athlet*innen, Fans). Betriebswirtschaftler beschäftigen sich mit strategischen und operativen Management-Herausforderungen, die sich aus der besonderen Marktzusammensetzung und den regulatorischen Massnahmen im (professionellen) Sport ableiten lassen: Umsatzausgleiche, Transferresktriktionen, Salary Caps, oder Kartelle in Nordamerikanischen Ligen.
Die Machtverhältnisse rund um den Sport und die unterschiedliche politische und kulturelle Verankerung des Sports in der Gesellschaft beschäftigt Wissenschaftler*innen aus dem Management, der Soziologie, Politologie und Geschichte. Entwicklungsökonom*innen interessieren sich für Migrationsströme internationaler Sportler*innen und versuchen so den globalen und nationalen Arbeitsmarkt besser zu verstehen. Verhaltenswissenschaftler*innen beobachten Individual- und Gruppenverhalten anhand von Sportdaten aus dem Profisport und ziehen so Schlüsse für unsere Gesellschaft.
Die Welt durch den Sport besser verstehen
An der Universität Zürich wird das Thema Sport seit über 20 Jahren intensiv erforscht und gelehrt. Unter anderem mit dem Forschungscenter in Sports Administration (www.crsa.uzh.ch) oder der Weiterbildung auf der Executive Education Ebene (www.sportsmanagement.uzh.ch).
Die interdisziplinäre Forschung fokussiert sich auf ein fundiertes Verständnis des Sports. Dafür greifen Forschende auf Theorien und Methoden aus den Wirtschafts-, Verhaltens- und Sozialwissenschaften zurück. Die Besonderheiten des Sports und die Zusammensetzung der Industrie werfen spannende Fragen auf, die aus verschiedenen Perspektiven analysiert werden. Im Fokus stehen dabei wirtschafts-, medien-, verhaltens- und rechtswissenschaftliche Forschungsfragen. Auf der anderen Seite werden auch wichtige Erkenntnisse aus dem Sport gewonnen, um sozialwissenschaftliche Phänomene in der Gesellschaft besser zu verstehen. Hier wird Sport als Labor für sozialwissenschaftliche Forschung genutzt, um menschliches Verhalten und Interaktionen in der Gesellschaft besser zu verstehen.
In einer globalen und digital vernetzten Welt müssen diese Themen zwingend auch global betrachtet und diskutiert werden. Nur so können Effekte grösserer Bewegungen und Entscheidungen auf nationaler oder regionaler Ebene verstanden werden. Die Entscheidungen grösserer Verbände, Sportclubs und Interessensvertreter haben längst einen Einfluss auf den nationalen und regionalen Sport.
Entsprechend hoch ist der Bedarf an qualifizierten Mitarbeiter*innen und Führungskräften für die Lösung komplexer Managementprobleme in internationalen und nationalen Sportverbänden, Sportclubs, im Management von Athlet*innen, in Technologie- und Medienunternehmen und in sportnahen Organisationen.
Die berufsbegleitenden Weiterbildungskurse der Executive Education der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich im Bereich des Sports setzen genau hier an. Es werden verschiedene Kurse angeboten, die aktuelle Herausforderungen im Bereich des Managements, Ökonomie, Technologie und Analytics angehen und Fachpersonen und Führungspersönlichkeiten aus unterschiedlichsten Bereichen vertiefte Kenntnisse vermitteln. Die Teilnehmenden erwerben Kompetenzen, die sie in ihrem beruflichen Umfeld – in internationalen Sportorganisationen, professionellen Sportclubs, Sport- und Medienvermarktungsagenturen, und sportnahen Industrien – effektiv und effizient anwenden können.
Unsere Dozierenden lehren und forschen in den Bereichen Betriebs- und Volkswirtschaft, Soziologie, Finanzen, Marketing, Recht, Kommunikation, Mathematik, Psychologie oder Geschichte. Des Weiteren werden Expert*innen aus der Industrie eingeladen. In den letzten Jahren durften wir z.B. Christian Mueller, Ralph Straus, Nicolas Evans, David Dellea, Sven Schaefer, Carsten Koerl, Wolfgang Elsaesser, Pedro Fernandes Mestriner, Claude Ruibal, Urs Lehmann und viele weitere Gäste einladen.
Im Detail fokussieren sich unsere nächsten Kurse auf die Themen Sports Analytics mit Ulrik Brandes (ETHZ), Sportmanagement und Sportökonomie mit Helmut Dietl (UZH) und Raphael Flepp (UZH) , Digital Sports Marketing mit Andrea Giuffredi-Kähr (UZH), Accounting & Finance im Sport mit David Oesch (UZH), Leadership in Sports mit Jochen Menges (UZH) und Nicolas Bastardoz, Entertainment Management mit Leif Brandes, Sportrecht mit Ulrich Haas, die Entstehung der modernen Sportindustrie mit Christian Koller oder Sports Industry Insights mit Gastdozierenden aus der Industrie (z.B. Ralph Straus). Zudem planen wir eine Studienreise zum Thema Innovation.