Wenn Erfahrung allein nicht mehr ausreicht
In Zeiten der Unsicherheit reicht Erfahrung allein nicht mehr aus. Professorin Amy C. Edmondson erklärt, warum Lernfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und die Bereitschaft, Annahmen zu hinterfragen, zu entscheidenden Voraussetzungen wirksamer Führung werden.
Mit diesen Entwicklungen befasste sich kürzlich ein Interview der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) mit Amy C. Edmondson, Professorin an der Harvard Business School und einer der weltweit führenden Expertinnen für Lernkultur, Führung und psychologische Sicherheit. Edmondsons zentrale Botschaft ist klar: In einer Welt zunehmender Komplexität wird Anpassungsfähigkeit wichtiger als der Glaube an Stabilität.
Die Illusion der Stabilität
Viele Organisationen sind über Jahre erfolgreich, weil sie Prozesse optimieren, Risiken minimieren und auf bewährte Vorgehensweisen setzen. Doch genau darin liegt laut Edmondson eine Gefahr: Erfolg kann den Blick für Veränderungen verstellen.
Sie beschreibt, wie geopolitische Entwicklungen, technologische Innovationen und gesellschaftliche Veränderungen traditionelle Gewissheiten zunehmend infrage stellen. Führungskräfte sind deshalb gefordert, nicht nur effizient zu handeln, sondern auch aufmerksam zu bleiben für neue Entwicklungen und schwache Signale.
Zukunftsfähige Organisationen lernen
Anpassungsfähigkeit bedeutet jedoch nicht Beliebigkeit. Resiliente Organisationen verfügen über ein klares Ziel und gemeinsame Werte. Gleichzeitig sind sie bereit, Annahmen zu hinterfragen, neue Wege auszuprobieren und aus Erfahrungen zu lernen. Dies sind gemäss Prof. Dr. David Seidl auch wesentliche Erfolgsfaktoren des organisatorischen Wandels.
Edmondson spricht in diesem Zusammenhang von «intelligentem Scheitern». Gemeint sind bewusst eingegangene, kalkulierte Risiken, aus denen Erkenntnisse gewonnen werden können. Nicht Fehlerfreiheit steht im Zentrum, sondern die Fähigkeit, aus Rückschlägen zu lernen und sich weiterzuentwickeln.
Führung unter Unsicherheit kann man trainieren
Die Herausforderung dabei: Solche Kompetenzen lassen sich nur begrenzt in klassischen Seminaren vermitteln. Wer Führung in komplexen Situationen entwickeln möchte, muss Komplexität erleben.
Genau hier setzt das Lernsetting Future Mind® an, ein neues Angebot der Executive Education der Universität Zürich für Entscheider:innen. In einer dreitägigen Unternehmenssimulation treffen die Teilnehmenden Entscheidungen unter Unsicherheit, erleben die Auswirkungen ihres Handelns unmittelbar und reflektieren ihr eigenes Führungsverhalten. Ziel ist die Entwicklung jener Kompetenzen, die in dynamischen Umfeldern zunehmend an Bedeutung gewinnen: Selbstreflexion, Lernbereitschaft, Anpassungsfähigkeit, Problemlösungskompetenz und Zusammenarbeit.
Von der Theorie zur Erfahrung
Amy Edmondson betont, dass Lernen dort beginnt, wo Menschen bereit sind, Fragen zu stellen, Annahmen zu hinterfragen und neue Lösungswege auszuprobieren. Eine nachhaltige Entwicklung von Leadership-Kompetenzen entsteht nicht durch zusätzliche Konzepte allein, sondern durch Erfahrung, Reflexion und den bewussten Umgang mit Unsicherheit.
Quelle: Amy C. Edmondson im Interview mit Felix E. Müller: «Manche Dinge müssen sich ändern, manche nicht», NZZ-Verlagsbeilage Swiss Economic Forum, 30. Mai 2026
Interesse geweckt?
Future Mind® – Führen, wenn es darauf ankommt
3. bis 5. September 2026
Mit Future Mind® bieten die Executive Education der Universität Zürich gemeinsam mit der Transformation Management AG ein innovatives Lernsetting, in dem Führungskräfte und Mitarbeitende ihre Zukunftskompetenzen unter realistischen Bedingungen weiterentwickeln und ihre persönliche «Future Readiness» stärken können. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.