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Neugier als Leitprinzip

Was passiert, wenn Banken vorsichtiger werden? Professor Per Östberg untersucht, wie Finanzregulierungen die Gesamtwirtschaft beeinflussen und warum belastbare Methoden entscheidend sind, um diese Auswirkungen zu verstehen.

Text: Jamie Brama

Neugier als Leitprinzip

Neugier und der Wunsch, ständig Neues zu lernen, haben im Leben von Per Östberg schon immer eine bedeutende Rolle gespielt. Das zeigte sich bereits in seiner Jugend, als er seine Mutter für mehrere Jahre nach Sri Lanka begleitete, während sie dort für UNICEF arbeitete. Dieselbe Neugier prägt bis heute seinen Ansatz in Forschung und Lehre.

Ursprünglich studierte er Volkswirtschaftslehre. Ein Kurs im Bereich Finance öffnete ihm jedoch die Augen für deren konkretere und besser quantifizierbare Theorien, die einen deutlichen Gegensatz zu den oft abstrakten Konzepten der Volkswirtschaft bildeten. „Ich entdeckte das Fach, war begeistert davon und entschied mich für eine Promotion, weil ich mehr darüber lernen wollte“, erinnert er sich. Eine akademische Laufbahn ergab sich daraus fast von selbst: „Es war keine bewusste Entscheidung, sondern eine schrittweise Entwicklung, die mich schließlich zur Professur führte.“

Für Per gehört die Erwartung, kontinuierlich weiterzulernen, zu den schönsten Seiten der Wissenschaft. „Das ist ein großartiger Luxus“, sagt er. Sowohl die Lehre als auch die Forschung empfindet er als gleichermassen erfüllend. Als Forscher schätzt er es, neue Dinge zu lernen und Entdeckungen zu machen, die vor ihm noch niemand gemacht hat. Als Dozent wiederum begeistert ihn die Möglichkeit, andere Menschen mit derselben Leidenschaft zu inspirieren.

Strengere Bankenregulierungen haben Auswirkungen, die sich auf die gesamte Wirtschaft ausbreiten.

Über Banken hinaus

Ein grosser Teil von Pers aktueller Forschung beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Finanzregulierung auf die Gesamtwirtschaft. In einem vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekt untersucht er die unbeabsichtigten Folgen strengerer Bankenregulierungen. Obwohl solche Massnahmen darauf abzielen, die Stabilität des Finanzsektors zu sichern, betreffen sie nicht nur Banken, sondern auch Unternehmen und Privathaushalte. Wenn Banken beispielsweise vorsichtiger Kredite vergeben, kann es für Unternehmen schwieriger werden, Investitionen zu finanzieren, während Haushalte mit strengeren Bedingungen bei Hypotheken konfrontiert sein können. Solche Veränderungen ziehen Auswirkungen nach sich, die sich durch die gesamte Wirtschaft ziehen. Während die Folgen für Banken bereits umfassend untersucht wurden, möchte Per mit seiner Forschung das Verständnis für die Auswirkungen auf die Wirtschaft als Ganzes verbessern und diese quantifizieren.

Nebenbei weist er auch darauf hin, dass Finanzmärkte häufig missverstanden werden. „Ein weitverbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass gut funktionierende Märkte vorhersehbar sind. Tatsächlich sind sie jedoch ziemlich schwer vorherzusagen, da alle verfügbaren Informationen bereits in den Preisen enthalten sind“, erklärt er. „Daraus folgt, dass wir Menschen gegenüber skeptisch sein sollten, die behaupten, mit Sicherheit zu wissen, wie sich die Märkte morgen entwickeln werden.“

Die richtigen Methoden

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf Reproduzierbarkeit und Methodik. Die Möglichkeit, Ergebnisse bestehender Studien nachzuvollziehen und zu reproduzieren, ist essenziell für den wissenschaftlichen Fortschritt. Im Laufe der Jahre hat diese Arbeit ihn und seine Kolleginnen und Kollegen dazu veranlasst, etablierte Ansätze kritisch zu hinterfragen.

In einem Projekt stellten sie beispielsweise fest, dass eine weit verbreitete Methode fehlerhaft war. Sie entwickelten eine Korrektur und wandten diese an, mussten jedoch feststellen, dass dadurch neue Probleme entstanden. Das führte dazu, dass sie ihren Ansatz erneut überdachten und robustere Methoden entwickelten.

Für Per hat diese Erfahrung die Bedeutung verdeutlicht, kontinuierlich in methodische Grundlagen zu investieren und sich die Zeit zu nehmen, Dinge sauber und sorgfältig umzusetzen. Auch wenn präzise Messungen und robuste Methoden nicht immer sichtbar sind, bilden sie das Fundament verlässlicher Forschung. Mit dem Aufkommen der Künstlichen Intelligenz gewinnt dieser Aspekt zusätzlich an Bedeutung: „Neue Werkzeuge erleichtern zwar die Erstellung von Ergebnissen, erhöhen aber zugleich das Risiko, sich auf Methoden zu verlassen, die nicht vollständig verstanden werden.“

Text: Jamie Brama, Quelle: OEC.Mag #25

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