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Fünf Grundsätze für den sinnvollen Einsatz von KI

KI ist mehr als Technologie – sie verändert, wie wir denken, arbeiten und entscheiden. Diese fünf Grundsätze zeigen, wie wir den Umgang mit Künstlicher Intelligenz bewusst und verantwortungsvoll gestalten können. Text: Cindy Candrian 

KI ist mehr als ein Tool - sie ist ein Co-Worker

Künstliche Intelligenz funktioniert nicht wie eine klassische Software, die stur Regeln abarbeitet. Sie verhält sich eher wie ein neues Teammitglied: kreativ, überraschend, manchmal fehlerhaft, aber oft auch inspirierend. Wer KI nur als passives Werkzeug versteht, schöpft ihr Potenzial nicht aus. Stattdessen lohnt es sich, mit KI wie mit einem Co-Worker zu arbeiten – mit klaren Aufgaben, Feedback und kritischem Mitdenken. Eine einfache, aber wirkungsvolle Methode ist, der KI für eine bestimmte Aufgabe eine Rolle zu geben: Soll sie beraten, analysieren oder kreativ Ideen entwickeln? So wird der Rahmen der Zusammenarbeit klar – ähnlich wie bei menschlichen Kolleginnen und Kollegen. Und auch hier gilt: Die besten Ergebnisse entstehen dort, wo Führung, Kommunikation und Verantwortung zusammenkommen.

Aktives Zusammenarbeiten statt passives Delegieren

Was passiert, wenn Menschen KI nicht nur benutzen, sondern aktiv in die eigene Arbeit einbinden? Eine gross angelegte Studie der Harvard University mit 776 erfahrenen Wirtschaftsprofis zeigt: Personen, die KI gezielt und bewusst nutzten, erzielten bessere Ergebnisse als klassische menschliche Teams. Die besten Resultate entstanden dort, wo Mensch und KI aktiv zusammenarbeiteten. Doch dies gelingt nur, wenn Menschen nicht passiv Aufgaben an die KI delegieren, sondern sie bewusst steuern, die Vorschläge hinterfragen und ihre eigene Expertise einbringen. Dabei entsteht mehr als Effizienz: Die Studie zeigte, dass Menschen begannen, interdisziplinärer zu denken, neue Perspektiven einzunehmen und kreative Lösungen zu entwickeln, die allein kaum denkbar gewesen wären. Diese sogenannte «Cointelligence» bedeutet, dass Technologie unser Denken nicht ersetzt, sondern erweitert.

Die Verantwortung bleibt beim Menschen

So hilfreich KI auch sein kann – die Verantwortung für das, was sie produziert, bleibt immer bei uns Menschen. Sie verarbeitet, was wir ihr vorgeben, und liefert Vorschläge auf Basis ihrer Trainingsdaten. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere ethischen und moralischen Standards aktiv in den Arbeitsprozess mit KI einbringen. Das beginnt bereits bei der Eingabe: Mit gezielten Prompts können wir steuern, welche Perspektiven, Werte und Gruppen berücksichtigt werden. Und es endet nicht beim Output: Auch das, was die KI ausgibt, muss kritisch geprüft werden. Zwar enthalten moderne Systeme Schutzmechanismen gegen Missbrauch – doch diese lassen sich oft umgehen, etwa durch geschickte Prompts oder das Ausnutzen von Schwachstellen. So kann KI manipulieren, wenn wir sie dazu auffordern. Doch die Entscheidung dafür trifft immer der Mensch. Verantwortung übernehmen heisst deshalb: bewusst steuern, klare Grenzen setzen und ethisch handeln.

Lernen ist Pflicht - für alle

Wer KI verantwortungsvoll nutzen will, muss verstehen, wie sie funktioniert – und das heisst: selbst ausprobieren, Erfahrungen sammeln und kontinuierlich lernen. Nur wer aktiv mit KI arbeitet, erkennt, wann sie nützt und wann sie an ihre Grenzen stösst. Das beginnt im Alltag: KI sollte bei möglichst vielen Aufgaben mit am Tisch sitzen, um ein Gefühl für ihre Möglichkeiten zu entwickeln. Doch auch auf Teamebene ist gezieltes Upskilling entscheidend. Organisationen, die KI nachhaltig einsetzen wollen, müssen ihre Mitarbeitenden befähigen – mit Workshops, Lernräumen oder experimentellen Formaten. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern um kritisches Denken, reflektiertes Anwenden und ein Verständnis für die Rolle des Menschen im Zusammenspiel mit KI. Verantwortungsvoll mit KI zu arbeiten, heisst deshalb auch: lernen, ausprobieren und gezielt Kompetenzen entwickeln – individuell und organisatorisch.

Flexibel bleiben - denn KI verändert sich ständig

Die Entwicklung von KI ist rasant – was heute neu ist, kann morgen schon veraltet sein. Deshalb sollten wir jedes System als das schlechteste betrachten, das wir je nutzen werden – nicht, weil es schlecht ist, sondern weil seine Nachfolger noch leistungsfähiger sein werden. Neue Modelle bringen neue Chancen, aber auch neue Risiken. Wer verantwortungsvoll mit KI arbeiten will, muss bereit sein, Routinen zu hinterfragen, dazuzulernen und sich auf neue Herausforderungen einzulassen. Flexibilität und Lernbereitschaft sind keine netten Extras mehr, sondern Kernkompetenzen. Verantwortungsvolle KI-Nutzung heisst auch: sich mit ihr weiterzuentwickeln, offen zu bleiben – und nicht stehenzubleiben, wenn die Technologie weiterzieht.

Cindy Candrian ist Co-Founderin von Delta Labs, eines Schweizer KI-Unternehmens, das Unternehmen von der Strategie bis zur Umsetzung von KI begleitet. Sie hat an der Universität Zürich Banking and Finance studiert und in Betriebswirtschaftslehre promoviert.

Quelle: Oec. Magazin #23

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