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Betrügereien in der digitalen Wirtschaft

Die Blockchain-Technologie schafft völlige Transparenz beim Handel mit digitalen Werten, wie Non-Fungible Token (NFT) oder Coins. Wenn solche digitalen Unikate verkauft werden, wird die Transaktion in der Blockchain registriert. Trotzdem eröffnet sich auch im digitalen Handel ein weites Feld für Betrügereien.

Prof. Dr. Claudio Tessone untersucht solche Praktiken wie «Wash-Trading» und «Rug-Pull». Beim Wash-Trading werden Scheingeschäfte getätigt, indem sich Händler gegenseitig den gleichen Vermögenswert immer wieder abkaufen, zu einem immer höheren Preis. Dadurch wird der Eindruck erweckt, es handle sich um ein begehrtes Gut. Das kann aussenstehende Anleger irreführen, die den Vermögenswert schliesslich zu einem überhöhten Preis erwerben. Wie die Forschung von Claudio Tessone zeigt, ist Wash-Trading weit verbreitet. Das sei erstaunlich, findet der Blockchain-Forscher, «denn meist verwischen die Leute nicht einmal ihre Spuren». Das heisst, ein Blick in die Blockchain würde potenziellen Käufern zeigen, dass der Preis manipuliert wurde.

Eine andere Form des Betrugs ist «Rug-Pull», was übersetzt so viel heisst wie «Teppichziehen». Dabei werden Investoren hohe Renditen versprochen, wenn sie in ein Kryptoprojekt investieren. Wenn genügend Geld zusammengekommen ist, ziehen die Entwickler alle liquiden Mittel ab und verschwinden. Sie ziehen damit den anderen Investoren den Teppich unter den Füssen weg. Ihnen bleiben nur die wertlosen Wertpapiere (Token) des Projekts.

Claudio Tessone findet es unverständlich, dass viele Käufer und Investoren nicht genauer hinschauen, wenn sie digitale Wertpapiere kaufen. «Sie sind oft naiv. Und sie verstehen nicht, dass sie dank der Transparenz der Blockchain sehen könnten, dass sie betrogen werden.» Tessone verlangt deshalb Regeln für die digitale Wirtschaft analog zu jenen in der realen. In der Schweiz gibt es bereits entsprechende Gesetze. «Solche brauchen wir weltweit», so Tessone. Gleichzeitig nützen alle Gesetze nichts, wenn Investoren nicht sorgfältig prüfen, wem sie ihr Geld anvertrauen.

Text: Thomas Gull (Redaktor UZH Magazin) / ursprünglich veröffentlicht auf UZH News

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