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Zwischen Hitzerekorden und Bankbilanzen: Wie gut ist der Finanzsektor auf den Klimawandel vorbereitet?

Hesse McKechnie, Climate Change Finance

Wenn CEOs, Banker:innen sowie Aufsichtsbehörden aus ganz Europa aus ihren Sommerferien zurückkehren, werden sie festgestellt haben, dass im Jahr 2026 ein Hitzerekord nach dem anderen gebrochen wurde. Grosse Teile des Kontinents waren von verheerenden Waldbränden betroffen. Gleichzeitig wird das Klimarisiko auf den Bilanzen von Banken gemeinhin als beherrschbar eingeschätzt. Wie lässt sich dieser scheinbare Widerspruch erklären?

Genau dieser Frage widmet sich die Unterrichtseinheit von Hesse McKechnie im Rahmen des Executive-Education-Kurses Climate Change Finance der Universität Zürich. Als Gastdozent der Session «Managing Climate Change in the Financial Industry» beschäftigt er sich mit der Frage, wie Finanzinstitutionen Klimarisiken bewerten und steuern können.

Der Klimawandel wird zunehmend zu einer der zentralen strategischen Herausforderungen für den Finanzsektor und wir beginnen meines Erachtens erst zu verstehen, wie ein wirksames Klimarisikomanagement tatsächlich aussehen kann.

Was hat Sie persönlich dazu bewegt, sich mit Climate Change Finance zu beschäftigen?

In den vergangenen Jahren habe ich direkt mit Finanzinstituten in ganz Europa zu Fragen der Nachhaltigkeitsstrategie, der Klimatransformation und der Berichterstattung zusammengearbeitet. Dabei bin ich immer wieder auf dieselbe Lücke gestossen: Banken und Aufsichtsbehörden verfügen über ausgefeilte Risikorahmenwerke, doch diese wurden nicht dafür entwickelt, Risiken abzubilden, die sich über Jahrzehnte hinweg entfalten und sich zudem nicht linear beschleunigen.

Gerade diese Diskrepanz zwischen dem, was unsere Instrumente messen können, und dem, was tatsächlich geschieht, hat mein Interesse an diesem Themenfeld vertieft. Sie war auch ein wesentlicher Antrieb meiner Forschungstätigkeit in den vergangenen Jahren. Ich freue mich darauf, diese Fragestellungen mit den Teilnehmer:innen zu diskutieren, da der Klimawandel zunehmend zu einer der zentralen strategischen Herausforderungen für den Finanzsektor wird und wir meines Erachtens erst beginnen zu verstehen, wie ein wirksames Klimarisikomanagement tatsächlich aussehen kann.

Der Klimawandel ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern zunehmend auch eine Frage wirtschaftlicher Resilienz und finanzieller Stabilität.

Worum geht es in Ihrer Session «Managing Climate Change in the Financial Industry»?

Die Session basiert auf einer einfachen, aber zentralen Erkenntnis: Der Klimawandel ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern zunehmend auch eine Frage wirtschaftlicher Resilienz und finanzieller Stabilität. Banken, Investor:innen sowie Aufsichtsbehörden stehen vor Entscheidungen, die massgeblich darüber bestimmen werden, wie widerstandsfähig das Finanzsystem in den kommenden Jahrzehnten bleibt.

Gleichzeitig erstreckt sich der Zeithorizont, über den Klimarisiken üblicherweise berechnet werden, häufig nicht über drei bis fünf Jahre hinaus. Viele der Instrumente, auf die wir bei der Bewertung finanzieller Risiken zurückgreifen, basieren auf historischen Daten und unterschätzen die Auswirkungen von Kipppunkten sowohl im technologischen Bereich als auch in Ökosystemen.

Anstatt einfache Antworten zu liefern, möchte ich die Teilnehmer:innen dazu anregen, sich mit den Zielkonflikten auseinanderzusetzen, vor denen der Finanzsektor heute steht.

Welche Fragestellungen werden Sie gemeinsam mit den Teilnehmer:innen behandeln?

Im Verlauf der Session werden wir untersuchen, wie physische Risiken, die beispielsweise durch Überschwemmungen, Hitzewellen und andere Extremwetterereignisse entstehen, sowie Transitionsrisiken infolge politischer Massnahmen, technologischer Entwicklungen und veränderter Marktbedingungen Finanzinstitute beeinflussen.

Wir werden diskutieren, wie sich diese Risiken auf Kreditrisiken, Vermögensbewertungen, Geschäftsmodelle und letztlich auf die finanzielle Stabilität auswirken. Darüber hinaus werden wir uns einer anspruchsvolleren Frage widmen: Werden diese Risiken von Finanzinstituten gegenwärtig ausreichend berücksichtigt und gesteuert?

Anstatt einfache Antworten zu liefern, möchte ich die Teilnehmer:innen dazu anregen, sich mit den Zielkonflikten auseinanderzusetzen, vor denen der Finanzsektor heute steht:

  • Wie manifestieren sich Klimarisiken in den Bilanzen von Banken?
  • Sollten Banken ihre Engagements in CO₂-intensiven Sektoren lediglich reduzieren oder den Übergang zu einer klimaverträglicheren Wirtschaft aktiv finanzieren?
  • Wie sollten Aufsichtsbehörden das Ziel finanzieller Stabilität mit übergeordneten gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Zielsetzungen in Einklang bringen?

Dabei handelt es sich keineswegs um abstrakte akademische Fragestellungen. Vielmehr sind dies Herausforderungen, mit denen sich Finanzinstitutionen bereits heute in ihrem täglichen Geschäft auseinandersetzen müssen.

Was sollen die Teilnehmer:innen aus Ihrer Session mitnehmen?

Ich hoffe, dass die Teilnehmer:innen die Veranstaltung nicht nur mit einem vertieften Verständnis aktueller regulatorischer Entwicklungen und moderner Risikomanagementansätze verlassen, sondern auch mit neuen Perspektiven auf die Rolle, die der Finanzsektor beim Übergang zu einer widerstandsfähigeren Wirtschaft spielen kann und sollte.

Dabei geht es nicht allein darum, «das Richtige zu tun», sondern ebenso darum, die eigenen Interessen langfristiger und strategischer zu verstehen und entsprechend vorausschauend zu handeln.

Möchten Sie mehr erfahren?

Wer sich vertieft mit diesen Themen auseinandersetzen möchte, findet im Weiterbildungskurs Climate Change Finance der Executive Education der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich ein passendes Angebot.

Weitere Weiterbildungsangebote im Bereich Finance finden Sie hier.  

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