Greta Preatoni, Executive MBA
Greta Preatoni beschönigt nicht, was es kostet, etwas aufzubauen. Die Gründung eines Medtech-Start-ups während ihres Executive-MBA-Studiums an der Universität Zürich war eine intensive Zeit, und das gibt sie offen zu. „Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich es noch einmal so machen würde“, sagt sie. „Ich habe den EMBA und das Unternehmen gleichzeitig gestartet, und das erforderte echte Opfer.“ Sie hält inne und fügt dann hinzu: „Es war hart, aber es zahlt sich definitiv aus.“
Diese Ehrlichkeit ist einer der Gründe, warum ihre Geschichte so fesselnd ist. Als Tochter einer isländisch-italienischen Familie wuchs Greta zusammen mit sieben Geschwistern in Italien auf und lernte schon früh, sich schnell anzupassen und nicht aufzugeben. Dieses Tempo prägte auch ihren akademischen Werdegang, der in einer Promotion in Neuroingenieurwesen an der ETH Zürich gipfelte, wo sie sich in ihrer Forschung mit multisensorischer Integration befasste, unter anderem im Zusammenhang mit diabetischer Neuropathie.
Ausserhalb der Arbeit ist Gretas Art, sich zu erholen, überraschend praktisch. Hin und wieder stickt sie mit Kreuzstich und verwandelt dabei oft Fotos in gestickte Porträts oder sogar Kissen. „Ich kann einfach nicht untätig sein“, sagt sie lachend. „Wenn ich mich also entspannen muss, schalte ich mein Gehirn für 30 Minuten bis eine Stunde komplett aus, tanke neue Energie und bin dann wieder voll da.“
Der Sprung von der Forschung zum Unternehmen war kein Zufall. MYNERVA begann als ihr Doktorandenprojekt und entwickelte sich zu einem tragbaren Gerät, das Menschen mit diabetischer Neuropathie helfen soll, den Boden wieder zu spüren – mit dem übergeordneten Ziel, die Mobilität im Alltag und die Lebensqualität zu verbessern. Die wissenschaftliche Idee dahinter ist trügerisch einfach. „Meine wissenschaftliche Leidenschaft war schon immer dieselbe“, erklärt Greta. „Wie können wir das Gehirn dazu bringen, etwas wahrzunehmen, das gar nicht da ist? In unserem Fall geht es darum, den Tastsinn künstlich wiederherzustellen.“
Die Lösung von MYNERVA ist eine sensorische Prothese, die wie Alltagskleidung aussieht: eine intelligente Socke. Drucksensoren erfassen Informationen unter dem Fuss und senden diese an eine Steuereinheit, die sie in gezielte, nicht-invasive elektrische Stimulation im Bereich des Knöchels umwandelt. Die Wirkung ist an der Fusssohle spürbar, die Steuerung erfolgt über eine Smartphone-App. Greta legt grossen Wert auf die Designphilosophie. „Ich wollte nie etwas, das medizinisch aussieht“, sagt sie. „Ich möchte, dass es sich normal anfühlt und nicht so, als würde es einen durch eine Erkrankung definieren.“
Der EMBA half ihr dabei, ihre wissenschaftlichen Ambitionen mit operativer Klarheit in Einklang zu bringen. Sie schreibt dem Programm zu, dass es ihre betriebswirtschaftlichen Grundlagen – insbesondere in den Bereichen Rechnungswesen und Unternehmensfinanzierung – gestärkt und ihr Führungsinstrumente an die Hand gegeben hat, die sie sofort anwenden konnte. Sie hat sogar eine im Programm erlernte, auf der Persönlichkeit basierende Teamübung als Workshop bei MYNERVA eingeführt. „Was mich am meisten belastet, ist, keine Entscheidung zu treffen“, sagt sie und beschreibt, wie der EMBA ihre Fähigkeit gestärkt hat, Entscheidungen zu treffen, alle Beteiligten auf eine Linie zu bringen und voranzukommen.
Während MYNERVA die letzten Sicherheitsprüfungen durchläuft und sich auf den Weg zur behördlichen Zulassung macht, kommt Greta immer wieder auf die Skalierbarkeit zurück. „Der Markt ist riesig. Der Bedarf ist riesig.“ Ihre Geschichte vermittelt auch eine stillere Botschaft: Durchbrüche kommen erst dann bei den Patienten an, wenn sie auch tatsächlich zum Einsatz kommen. Echte Nachfrage, Erstattungsmöglichkeiten und engagierte Partner sind es, die Lösungen zu den Menschen bringen, die sie am dringendsten benötigen.
Ihr Leitgedanke bleibt unverändert: „Folge deiner Angst“, sagt sie. „Der Sweet Spot ist dort, wo das, was dir Angst macht, auf das trifft, wofür du dich begeisterst.“
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