Header

Suche

Pascal Morf, CAS in Leadership

Pascal Morf, 52, lebt mit seiner Familie in Belp und arbeitet als Head of Disaster Management beim Schweizerischen Roten Kreuz. Ursprünglich hat er an der Universität Zürich Allgemeine Geschichte, Betriebswirtschaft und Politikwissenschaft studiert. Danach führte ihn sein Weg via Assistenzstelle an der UZH über eine Anstellung bei einer Bank und im Journalismus zum IKRK (Internationales Komitee vom Roten Kreuz). Dreieinhalb Jahre war er in Konfliktgebieten wie Afghanistan, Ruanda und Sudan tätig und konnte so sein Interesse zum Beruf machen. Aus familiären Gründen kehrte er in die Schweiz zurück, wo er mittlerweile seit über zehn Jahren für das Schweizerische Rote Kreuz tätig ist, genauer  im Bereich Katastrophenhilfe des Internationalen Departements, wo er die Einsätze und Projekte in der Katastrophenhilfe leitet.

Vor  gut zwei Jahren begann Pascal Morf,  im Kontext einer Beförderung, seine Weiterentwicklung zu planen von der Projektleitung hin zu Management- und Führungsarbeit sowie Strategieentwicklung. Am CAS in Leadership, den er berufsbegleitend absolviert hat, schätzte er besonders die nahtlose Einbettung der Themen in seinen Arbeitsalltag.

Was ist das Herausforderndste an Ihrer aktuellen Tätigkeit?

Die grösste Herausforderung ist einerseits, dass die humanitären Bedürfnisse stark zunehmen. Weltweit treten klimabedingt immer mehr Naturkatastrophen auf, oftmals überlappend mit Konflikten - also menschengemachten Katastrophen - die zudem oft in Kontexten stattfinden, die an sich schon fragil sind.

Andererseits finden parallel dazu Debatten über die internationale Zusammenarbeit und über Budgetfragen statt, während sich zugleich die Perspektive auf diese Zusammenarbeit verändert. Dennoch bleibt der Eindruck bestehen, dass eigentlich mehr Mittel und Ressourcen nötig wären, um den wachsenden Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Realität sieht jedoch so aus, dass eher weniger zur Verfügung steht. In diesem Spannungsfeld die Strategie und die Budgets anzupassen, das ist wahnsinnig herausfordernd.

Was war bisher der eindrücklichste Moment in dieser Tätigkeit?

Was  bleibt, sind die ganz kleinen Erlebnisse vor Ort, also «auf dem Feld», wie wir sagen. Ich erinnere mich etwa an einen Moment in Kirowograd, einer Stadt in der Zentralukraine, als eine Frau auf mich zu rannte, um sich bei mir zu bedanken. Die Resilienz der direkt betroffenen Leute finde ich sehr eindrücklich. Oder auch die lokalen Freiwilligen, die sich enorm für ihre Landsleute einsetzen, obwohl sie selber fast nichts besitzen. Weiter finde ich auch die unglaubliche Gastfreundschaft der Leute vor Ort stets sehr eindrücklich. Allgemein sind oft die menschlichen, kleinen Interaktionen am schönsten.

Natürlich gibt es auch im Team viele schöne Momente oder in der Schweizer Öffentlichkeit, wenn man merkt, dass der Einsatz geschätzt wird. Am wichtigsten bleiben jedoch die unmittelbaren Begegnungen mit den Menschen, die man entlasten möchte.

Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Führungsperson und was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Ich habe ein Team, das sehr motiviert ist und das die Vision des Roten Kreuzes verinnerlicht hat. Mir ist es wichtig, zu ermöglichen, dass mein Team seine Aufgaben erfolgreich erfüllen kann. Nicht als Einzelpersonen oder in Silos, sondern gemeinsam. Wir kennen und schätzen einander und reflektieren gemeinsam darüber, wie wir uns als Team weiterentwickeln und welche gemeinsamen Ziele wir verfolgen.

Was unterscheidet Ihre Führungstätigkeit von Führungspositionen in anderen Unternehmen?

Obwohl meine Kommiliton:innen aus ganz anderen Branchen und Realitäten stammten, gab es doch viele Gemeinsamkeiten, denn in vielen Aspekten ist das Rote Kreuz mit einem Unternehmen vergleichbar - und somit auch meine Führungstätigkeit. Man führt Menschen und es gilt, Prozesse und eine Organisationsstruktur einzuhalten. Ich war erstaunt, wie ähnlich sich etwa die Prozesse in den Bereichen Finanzen, Personal, Digitalisierung oder Strategieentwicklung waren.

Unterschiede bestehen etwa hinsichtlich der Gewinnorientierung. Im Vergleich zu profitorientierten Unternehmen hat diese bei uns keine Priorität. Zudem lassen die dezentrale Struktur des Roten Kreuzes in der Schweiz sowie die netzwerkartige Zusammenarbeit im Ausland mit anderen Gesellschaften des Roten Kreuzes gewisse Instrumente oder Führungsformen gar nicht zu. Dort kommen vor allem Formen der Zusammenarbeit auf Augenhöhe zum Einsatz. In diesem Bereich habe ich die Unterschiede zu anderen Unternehmen am ehesten bemerkt.  Auf jeden Fall konnte ich viel mitnehmen, sowohl von den Kommiliton:innen als auch von den Dozent:innen. Die vermittelten Inhalte waren auch in meiner Arbeitsrealität anwendbar.

Mir wurde intern sogar empfohlen, keine NGO-spezifische Weiterbildung zu besuchen. Und ich finde tatsächlich, man profitiert davon, sich den Unterschieden zu stellen.

Warum und wann haben Sie begonnen, sich für das Thema Leadership zu interessieren?

Nach jahrelanger grösserer Projektarbeit und Auslandseinsätzen - u.a. nach Ukraine und COVID, als ich zwei grössere Projekte geführt habe - haben wir in den Mitarbeitenden-Dialogen festgestellt, dass es interessant wäre, mich weiterzuentwickeln. Einerseits, um mein bisher gesammeltes Wissen in die Teams und die Strategie des Unternehmens einzubringen, andererseits empfand ich es auch für mich persönlich als einen guten Moment, um von der Projekt- zur Linienführung zu wechseln.

Da das Rote Kreuz stark mit transformationalen Ansätzen arbeitet und die menschlichen sowie visionären Aspekte in den Vordergrund stellt, wurde ich gebeten, mich auf das Thema «Leadership» und nicht «Management» zu fokussieren.

Auf welche Module der Weiterbildung waren Sie besonders gespannt und was konnten Sie daraus für Ihren Arbeitsalltag mitnehmen?

Ich hatte mich besonders auf das Modul Change Management gefreut, da wir uns aktuell selbst in einem solchen Prozess befinden und oft über die richtige Balance zwischen Partizipation und Entscheidung diskutieren. Das Modul gab mir dafür das passende Vokabular und die Gewissheit, dass auch andere Unternehmen ähnliche Fragen bewegen. Das empfand ich als sehr bereichernd und direkt anwendbar, denn letztlich geht es darum, die Kolleg:innen auf eine gemeinsame Reise mitzunehmen.

Auch ausLeadership und Leadership Communication konnte ich viel mitnehmen, besonders zu den transformativen Aspekten. Die Ansätze aus Change Management und Krisenkompetenz liessen sich unmittelbar in meiner Arbeit einsetzen, etwa in Präsentationen oder bilateralen Gesprächen. So konnte ich unseren bisherigen pragmatischen Ansatz besser verorten und intern wertvolle Denkanstösse geben.

Insgesamt bot jedes Modul Impulse, die sich problemlos in meinen Arbeitsalltag integrieren liessen. Die Weiterbildung fühlte sich nicht wie ein Bruch der Woche an, sondern setzte sich nahtlos in der täglichen Praxis fort.

Hat Ihnen die Weiterbildung geholfen, etwas Bestehendes kritisch zu hinterfragen?

Ja, auf jeden Fall. Da das Rote Kreuz eine dezentrale Organisation mit vielen holokratischen Instrumenten ist, steht bei Prozessen immer die Frage im Raum, wie stark sie menschen- oder prozessorientiert sind sind. Da ist mir klar aufgefallen, dass es bei anderen Unternehmen weniger Ausnahmen oder auch eine klarere Anwendung der Instrumente, wie z.B. einer Software, gibt. Das Rote Kreuz ist sehr stark menschenzentriert und es hilft, das Unternehmen im gesamten Spektrum zu verorten und einzuordnen und zu wissen, dass die Probleme eines Unternehmens auch symptomatisch sind für die jeweilige Organisationsstruktur.

Hat Ihnen etwas besonders gut gefallen an diesem Studiengang?

Sehr geschätzt habe ich die Flexibilität und den modularen Aufbau, die Vereinbarkeit mit Beruf und Familie und die fast nahtlose Einbettung in den Arbeitsalltag - es hat sich überhaupt nicht angefühlt wie ein Fremdkörper in der Arbeitswoche. Für mich ergab sich aus der strukturierten Vermittlung der Frameworks, den lebendigen Diskussionen und Case Studies sowie der Anwendung im eigenen Unternehmen ein rundes und stimmiges Lernerlebnis. Diesen Aufbau empfand ich als sehr überzeugend.

Gibt es Themen, die Sie nach dem CAS noch weiter vertiefen möchten?

Es gibt natürlich noch viele Themen, über die ich gern mehr erfahren würde, zu denen ich mich aber auch eigenständig weiterbilden kann. Gleichzeitig kann ich mir gut vorstellen, in ein bis drei Jahren erneut zu prüfen, ob ich mich noch stärker engagieren oder weitere Schritte gehen möchte. Je nach Bedarf besteht ja die Möglichkeit, zusätzliche Module zu besuchen. Das habe ich für die kommenden Jahre auf jeden Fall auf dem Radar.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Ihren Kommiliton:innen erlebt?

Ich habe sie als sehr bereichernd erlebt. Wir kamen aus ganz unterschiedlichen Branchen, befanden uns jedoch alle in einer ähnlichen Phase: Viele haben studiert und verfügten bereits über einige Jahre Erfahrung, entweder im operativen Bereich oder in spezifischen Fachthemen. Viele standen gerade an dem Punkt, an dem sie Führungsverantwortung übernehmen wollten und sich deshalb intensiv mit sich selbst auseinandersetzten. Themen wie persönliche Weiterentwicklung, Rollenverständnis, Karriereplanung und Zeitmanagement spielten eine grosse Rolle.

Die Gespräche waren teilweise sehr persönlich. Fast alle hatten ähnliche Herausforderungen damit, Studium, Beruf und Privatleben zu vereinbaren und ebenso fanden wir viele vergleichbare Strategien und Lösungen.

Was ist die grösste Herausforderung an diesem CAS?

Natürlich waren der zusätzliche Arbeitsaufwand sowie das Pendeln von Bern nach Zürich zeitintensiv. Für mich war es eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bringen, zum Beispiel, wenn der Aufwand für die Leistungserbringung grösser war. Aber das war zum Glück eine Ausnahme.

Ich hatte im Voraus vermutet, dass der Unterschied vom Roten Kreuz zu anderen, profitorientierten Unternehmen, eine Herausforderung sein könnte, aber das war es nicht. Stattdessen empfand ich die bestehenden Unterschiede und die Möglichkeit, aus ihnen zu lernen, als eine Bereicherung.

Inwiefern glauben Sie, dass der CAS Ihre persönliche und berufliche Entwicklung fördern wird?

Ich bin überzeugt, dass mich der CAS sowohl persönlich als auch beruflich weitergebracht hat und weiterhin begleiten wird. Auf persönlicher Ebene habe ich viel über mich selbst gelernt: über meine Kommunikation, meine Positionierung und darüber, wo ich nach 15 Jahren im Unternehmen stehe und wie ich mich im Gesamtbild einordne.

Beruflich betrachte ich den CAS als wichtigen Schritt auf einem Entwicklungsweg, den ich bereits vor Beginn des Programms eingeschlagen habe. Er war ein zentraler Baustein dieses Prozesses, der nun weitergeht. Die nächsten Etappen stehen noch bevor und werden sich im Laufe der Zeit formen.

Ich bin mir zudem sicher, dass Weiterbildung auch künftig ein fester Bestandteil meiner Laufbahn sein wird. Berufliche Weiterentwicklung und kontinuierliches Lernen gehören für mich untrennbar zusammen. Sie bringen sowohl dem Unternehmen als auch mir persönlich einen Mehrwert.

Würden Sie diese Weiterbildung weiterempfehlen und falls ja, wem?

Ja, ich würde sie weiterempfehlen. Besonders geeignet ist sie für Berufstätige mit erster Arbeitserfahrung, die vor dem nächsten Schritt in Richtung grösserer (Führungs‑)Verantwortung stehen. Das Format passt gut zu Menschen, die ihre Zeit neben Familie und Job bewusst einteilen müssen, aber dennoch bereit sind, die zweitägigen Module voll zu nutzen.
Auch Unternehmen würde ich empfehlen, ihre Mitarbeitenden aktiv zu ermutigen, solche Weiterbildungen wahrzunehmen.

Herzlichen Dank, Pascal Morf!

(Weitere Informationen zum CAS in Leadership finden Sie hier.)

Text: Linda Betschart

Unterseiten