Crashversicherung für Aktienportfolios: Was Put-Optionen wirklich leisten können
Wie schützt man sein Portfolio vor Börsen-Crashs? Die Abschlussarbeit von Lukas Kots für den MAS in Finance zeigt, welche Optionsstrategien funktionieren – und was sie kosten.
Die Börsenkrisen der vergangenen Jahre haben gezeigt: Diversifikation allein reicht nicht immer aus. Wenn die Märkte abstürzen, fallen fast alle Anlagen gleichzeitig. Put-Optionen versprechen Schutz in solchen Extremsituationen – doch wie eine aktuelle MAS-Abschlussarbeit an der Finance Weiterbildung der Universität Zürich zeigt, kommt es auf die richtige Strategie an.
Das Problem: Krisen kommen selten, aber heftig
Der Dotcom-Crash, die Finanzkrise und der Corona-Schock hatten eines gemeinsam: In wenigen Wochen oder Monaten verloren Anleger bis zu 50 Prozent ihres Kapitals. Traditionelle Absicherungsstrategien wie Diversifikation versagten, weil in Krisenzeiten die Korrelationen zwischen Anlageklassen stark ansteigen, sodass auch sichere Anlagen Verluste erleiden.
Put-Optionen bieten hier eine Alternative. Sie funktionieren wie eine Versicherungspolice: Man zahlt eine Prämie und erhält im Gegenzug das Recht, seine Aktien zu einem festgelegten Preis zu verkaufen – selbst wenn die Aktie an Wert verliert. Doch wie bei jeder Versicherung stellt sich die Frage: Lohnt sich der Schutz?
Die Untersuchung: 23 Jahre Marktdaten im Test
Die Studie hat drei grundlegende Strategien, welche über unterschiedliche Laufzeiten von einem Monat bis zu einem Jahr laufen, über den Zeitraum von 2000 bis 2023 am amerikanischen Aktienmarkt untersucht.
Einzelne Put-Optionen: Der klassische Crash-Schutz. Man kauft Put-Optionen, deren Verkaufspreis 5, 10 oder 20 Prozent unter dem aktuellen Marktniveau liegen.
Put-Spreads: Eine kostengünstigere Variante. Man kauft eine Put-Option und verkauft gleichzeitig eine zweite mit tieferem Ausübungspreis. Das reduziert die Kosten, begrenzt aber auch den maximalen Schutz.
Ladder-Strategien: Eine Kombination mehrerer Put-Optionen mit unterschiedlichen Ausübungspreisen, die das Kosten-Nutzen-Verhältnis glätten soll.
Die Ergebnisse: Schutz hat seinen Preis
Einzelne Put-Optionen bieten den stärksten Schutz, kosten aber am meisten. In den untersuchten Krisen reduzierten sie Verluste um bis zu 22 Prozentpunkte gegenüber einem ungeschützten Portfolio. Allerdings zahlten Anleger dafür jährlich zwischen 0.3 und 1.7 Prozentpunkte Rendite – Jahr für Jahr, auch in ruhigen Zeiten.
Put-Spreads erwiesen sich als die effizienteste Lösung. Die monatlich erneuerte Spread-Strategie schnitt gut ab: Sie reduzierte Verluste um etwa 17 Prozentpunkte und verbesserte gleichzeitig die risikoadjustierte Rendite im Vergleich zum ungeschützten Aktienindex. Der Grund: Durch den Verkauf der zweiten Option wurden die Kosten um 50 bis 80 Prozent gesenkt.
Ladder-Strategien fanden einen Mittelweg: Sie halbierten die Kosten im Vergleich zu einfachen Put-Käufen und reduzierten Verluste um 7 bis 20 Prozentpunkte – mit einer Rendite-Risiko-Kennzahl nahe am Aktienindex.
Fazit: Absicherung ist möglich, aber nicht umsonst
Die Untersuchung bestätigt: Put-Optionen können Portfolios wirksam vor extremen Verlusten schützen. Allerdings gibt es keine Gratis-Versicherung. Die optimale Strategie hängt von drei Faktoren ab:
- Wie viel Verlust kann man tolerieren?
- Welches laufende Kostenbudget für den Schutz ist vertretbar?
- Und wie viel Komplexität kann der Anleger, die Anlegerin handhaben?
Mit strukturierten Ansätzen – insbesondere Put-Spreads – lässt sich die Kosteneffizienz deutlich verbessern, ohne die Schutzwirkung vollständig zu opfern. Für viele Anleger könnte dies der Schlüssel zu einem ruhigeren Schlaf in turbulenten Zeiten sein.
Interessieren Sie sich für Derivate und Absicherungsstrategien?
Diese MAS-Abschlussarbeit an der Finance Weiterbildung der Universität Zürich zeigt praxisnah, wie Put-Optionen und Spreads Portfolios vor Börsen-Crashs schützen – und verbindet dabei ideal die Inhalte zweier Zertifikatslehrgänge: Das CAS in Derivatives vermittelt das technische Know-how zur Konstruktion von Optionsstrategien. Das CAS in Investment Management liefert parallel den Rahmen, um diese Instrumente optimal in die ganzheitliche Portfoliokonstruktion und das Risikomanagement einzubetten.