Matthias Truninger-Riklin, MAS Sustainable Finance
Matthias Truninger-Riklin ist der erste Absolvent des MAS Sustainable Finance. Er ist 38 Jahre alt, wohnt mit seiner Familie in Zürich und arbeitet als Leiter Business und Sales Management bei der Aargauischen Kantonalbank. Davor war er in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig. Sein Plan, seine Karriere zu pausieren um den MAS als Vollzeitstudium in einem Jahr zu absolvieren, ging nur bedingt auf. Bereits nach einem halben Jahr zog es ihn zurück in die Arbeitswelt und so absolvierte er die zweite Hälfte des Programms berufsbegleitend - eine zeitliche Herausforderung, die er mit Erfolg meisterte.
Wann sind Sie auf die Idee gekommen, eine Weiterbildung zu absolvieren?
Mein letztes Studium habe ich im Jahr 2010 abgeschlossen. Das Bedürfnis, mein Finanzwissen auf den aktuellsten Stand zu bringen und neue, relevante Skills zu erlernen, wuchs über die letzten Jahre. Dabei wollte ich mich nicht neu orientieren, sondern auf dem Wissen, das ich mir über die Jahre angeeignet hatte, aufbauen.
Sustainable Finance ist heutzutage ein Buzzword, mit viel Halbwissen und teils falschen Vorstellungen. Mich reizte es, diese neue Disziplin mit ihren unterschiedlichen Facetten fundiert zu verstehen. Als ich den neuen Lehrgang der Uni Zürich ausgeschrieben sah, war es für mich somit eine einfache Entscheidung, mich für den MAS Sustainable Finance anzumelden.
Wann haben Sie gemerkt, dass Nachhaltigkeit im Finanzsektor ein Thema wird?
So richtig in der Breite kam das Thema in den letzten 5 bis 6 Jahren auf, mit der Einführung der Sustainable Development Goals. In diesem Bereich nahm die UBS, meine ehemalige Arbeitgeberin, durchaus eine Vorreiterrolle ein. Vielerorts wurde das Thema zu Beginn nicht ernst genommen. Es hat nun jedoch ein Wandel stattgefunden - von einer Pflichtübung für viele Unternehmen und Banken hin zu einer tiefen Überzeugung. Auch mir persönlich ging es so. Zu Beginn war mir die Dringlichkeit der Thematik nicht vollständig bewusst. Dank des Studiums habe ich nun aber ein viel besseres Verständnis für die ganze Situation.
Was hat Ihnen besonders gefallen an der Weiterbildung?
Optimal fand ich den modularen Ansatz, der erlaubt hat, sich auf das Thema Sustainable Finance zu konzentrieren und gleichzeitig weitere Themen abzudecken, die man ebenfalls spannend findet. So lässt sich der Inhalt des Studiums den persönlichen Interessen anpassen. Zudem erlaubt diese Modularität eine grosse zeitliche Flexibilität. Nur so war es mir möglich, das Studium zu verdichten und in einem Jahr abzuschliessen - neben meinen familiären Verpflichtungen und im zweiten Halbjahr zusätzlich auch neben meinem neuen Job. Zudem konnte ich viele interessante Personen aus unterschiedlichen Bereichen und Unternehmen kennenlernen und mich mit ihnen austauschen, was ebenfalls ein Vorteil der Modularität ist.
Besonders gefallen haben mir auch die kompetenten Dozentinnen und Dozenten aus Forschung und Praxis. Einerseits waren das renommierte Professorinnen und Professoren der Universität Zürich, die uns Einblick in ihre Forschung gewährten. Andererseits gab es Pendants dazu aus der Praxis, die stets spannende Diskussionen unter den Teilnehmenden ermöglichten. Diese Kombination aus dem universitären, theoretischen Fundament und der Anwendung aus der Praxis erachte ich als wertvoll.
Was war die grösste Herausforderung?
Eine Herausforderung war der zeitliche Aspekt. Jedes Modul benötigt Zeit für die Vorbereitung, Durchführung sowie Nachbereitung. Es war zu Beginn gar nicht so einfach, den Zeitaufwand für die einzelnen Module abzuschätzen.
Welche Key-Takeaways nehmen Sie aus dem MAS Sustainable Finance mit?
Mein erstes Takeaway ist das persönliche Bewusstsein und die tiefe Überzeugung, dass wir eine Verantwortung haben. Man ist versucht, zu sagen, dass die Schweiz kein grosser Emittent von Treibhausgasen ist, da wir, verhältnismässig, nur eine kleine Anzahl an Menschen sind. Aber das Verständnis dafür, dass dies nur die halbe Wahrheit ist, habe ich durch diese Weiterbildung erlangt. In der Schweiz konsumieren und importieren wir enorm viel. Wir sind ebenfalls für die aktuelle Situation verantwortlich, nicht nur grosse Produktionsländer wie China oder Indien.
Aus Bankenperspektive wird deutlich, dass das eigene Handeln zwar ein Vorbild sein kann für andere Firmen, dass der grosse Hebel aber ganz klar bei den Kund:innen liegt. Es ist somit wichtig, als Bank die Kund:innen zu überzeugen, in ihren Geschäftsfeldern die Transition einzuleiten und sie dabei zu unterstützen. Das grosse Potenzial der Finanzinstitute liegt darin, mit der Ressourcenallokation dazu beizutragen, dass Firmen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaft unterstützt werden. Am Ende ist es die Realwirtschaft, die den Unterschied machen wird, nicht die Banken.
Das zweite Takeaway ist Folgendes: Ich bin fest davon überzeugt, dass es globale Lösungen in der Nachhaltigkeitsfrage braucht. Es gibt in der ganzen Thematik viele Stakeholder, die bestrebt sind, eine positive Veränderung zu bewirken. Aber diese Bemühungen müssen konsolidiert werden. Das einzelne kleine, lokale Pflästerchen bewirkt nichts, eine verbindliche, globale Agenda wird benötigt.
Gab es während der Weiterbildung etwas, das Sie überrascht hat?
Das Ausmass und die Komplexität des Themas haben mich überrascht. Es sind so viele Bereiche, die in das übergeordnete Thema Sustainable Finance hineinspielen und jeder in sich ist fast endlos. Je tiefer man in die einzelnen Themen eintaucht, desto komplexer wird es. Wahrscheinlich ist dies auch der Grund, weshalb erst so wenig Veränderung geschieht, da die Menschen vor lauter Komplexität erstarren und resignieren.
Gibt es ein Thema im Bereich Sustainable Finance, zu dem Sie sich noch mehr Wissen aneignen könnten?
Ja sicher, zu fast jedem. Ich würde mir nicht anmassen, Experte in einem dieser Themen zu sein. Aber der MAS vermittelt einen breiten und sehr guten Überblick über die Thematik. Es fehlte in der Weiterbildung natürlich die Zeit, alle Teilthemen im Detail zu vertiefen. Die Frage ist jedoch, ist das überhaupt nötig? Gefährlich finde ich ein oberflächliches Halbwissen oder auch, wenn man zu tief im Detail steckt und nur noch eine isolierte Betrachtungsweise hat. Um das grosse Ganze vorwärtszubringen ist es optimal, ein breitgefächertes Wissen aufzuweisen. Dieses konnte ich mir dank der Weiterbildung aneignen.
Gibt es Challenges in Ihrem Job, die Sie mit Hilfe des neu erworbenen Wissens direkt angehen können?
Ja, ich profitiere bereits stark von dieser Weiterbildung. Beispielsweise gibt es zwei wichtige Richtlinien von Swiss Banking, die am 1. Januar 2024 in Kraft treten. Eine im Anlagebereich, die besagt, dass man bei den Investor:innen die ESG Präferenzen abholen muss. Die andere im Kreditbereich, die fordert, dass Besitzer:innen von Einfamilienhäusern über Energieeffizienz aufgeklärt und beraten werden. Dies sind zwei konkrete Themen, die bei unserer Bank in der Umsetzung sind und bei denen ich mich nun aktiv einbringen kann.
Würden Sie den MAS Sustainable Finance empfehlen und falls ja, wem?
Ja, ich würde den Lehrgang auf jeden Fall empfehlen. Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften ist gross und entsprechend gibt es viele spannende Opportunitäten auf dem Arbeitsmarkt. Der MAS eignet sich für Personen, die sich für Nachhaltigkeit und Finanzthemen interessieren und sich gerne fundiertes Wissen in diesem Bereich aneignen möchten.
Herzlichen Dank, Matthias Truninger-Riklin!
(Hier finden Sie weitere Informationen zum MAS Sustainable Finance.)
Text: Linda Betschart