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Jubiläum

15 Jahre MAS in Finance: Interview mit Dr. Benjamin Wilding

Die Geschichte der Executive Education Finance ist eine Geschichte der Innovation, des Wachstums und der Weiterentwicklung. Im Jahr 2010 wurde der MAS in Finance mit 13 Kursen und 21 Teilnehmenden lanciert. Seitdem hat sich die Executive Education Finance zu einer führenden Anbieterin von Weiterbildungen im Bereich Finance entwickelt, die heute 50 Kurse und 14 verschiedene Studiengänge anbietet. Darunter befinden sich insbesondere zwei MAS-Programme (Finance und Sustainable Finance) mit aktuell 80 Teilnehmenden. In diesem Jahr feiern wir das 15-jährige Bestehen des MAS in Finance. Wir blicken mit Dr. Benjamin Wilding, Managing Director Executive Education Finance und Senior Lecturer an der Universität Zürich, zurück auf die Entwicklungen und Highlights der letzten 15 Jahre und wagen einen Ausblick auf die Zukunft der Finanzweiterbildung an der Universität Zürich.


Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie an die Executive Education Finance der Universität Zürich denken?

Praxisbezogene akademische Weiterbildung.

Die Studierendenzahlen der Executive Education Finance steigen stetig. Was sind die Gründe für diesen Erfolg?

Ich denke, das liegt daran, dass Bildung im Finanzbereich ein dauerhaft wichtiges Thema ist. Zudem glaube ich, dass wir ein gutes Gespür für Trendthemen wie «Sustainable Finance» oder «Fintech» haben. Ausserdem betreut unser Team die Teilnehmer:innen so hervorragend, dass diese durch Mund-zu-Mund-Propaganda immer wieder talentierte und interessierte Menschen zu uns bringen.

Was waren für Sie die bedeutendsten Veränderungen in der Executive Education Finance in den letzten 15 Jahren?

Eine der grossen Veränderungen und der Ausgangspunkt für alles Weitere fand 2010 statt. In diesem Jahr führten wir kleinere Kurse zusammen und boten zum ersten Mal den MAS in Finance an. Das war ein bedeutender Schritt, der uns von einem Einzelkurs hin zu einem umfassenden und wertvollen Abschluss führte. Die zweite bedeutende Veränderung ist der Einsatz des Blended Learning-Ansatzes (Kombination von Online-Lernmaterialien und -Interaktion mit Präsenzunterricht), den wir nun schon lange und erfolgreich nutzen. Ein dritter Meilenstein ist der Aufbau des CAS in Sustainable Finance in den Jahren 2015/16. Zu Beginn war die Teilnehmendenzahl noch gering, was typisch für Trendthemen ist. Wenn man zu früh startet, bleibt das Thema zunächst eine Nische, bis es plötzlich alle interessiert.

Was waren die grössten Herausforderungen, die die Executive Education Finance in dieser Zeit überwinden musste?

Eine grosse interne Herausforderung bestand bei unserer Gründung darin, dass wir uns rechtfertigen mussten, weshalb wir Personen in Finanzthemen ausbilden. Jedoch stand und steht für uns stets das Wissen zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld im Vordergrund und nicht, wie man spekuliert und möglichst viel Geld verdient. Weiter stellte für mich auch das Wachstum des Teams eine organisatorische Herausforderung dar. Zu Beginn bestand mein Team nur aus mir sowie einem Semesterassistierenden und ich arbeitete Vollzeit als Studiengangsleiter. Mit der Zeit vergrösserte sich das Team und ich konnte einen Teil der Verantwortung abgeben. Und schliesslich ist es auch eine Herausforderung, stets die Kurse und Studiengänge mit genug Teilnehmenden zu füllen. Umso mehr sind wir stolz, dass unsere Angebote sich reger Nachfrage erfreuen.

Wie hat sich das Angebot der Executive Education Finance im Laufe der Jahre verändert?

Zu Beginn hatten wir exakt 60 Credits für den MAS im Angebot, ohne Wahlmöglichkeiten für die Studierenden. Heute bieten wir ein umfangreiches Programm an. Ebenso haben wir uns inhaltlich stark entwickelt. Beispielsweise ist «Sustainable Finance» zu einem bedeutenden Thema geworden, ebenso wie «Fintech», über das vor 15 Jahren kaum jemand sprach. Und auch der neue CAS in Stakeholder Management & Stewardship behandelt ein Thema, das früher eine Nische darstellte. Weiter versuchen wir uns auch auf der didaktischen Seite weiterzuentwickeln und viele unterschiedliche Settings, wie etwa Präsenzunterricht oder Blended Learning, anzubieten. Was neu dazugekommen ist, ist Game-based Learning, ein weiterer Trend in der Lehre. Diesen Bereich möchten wir ausbauen.

Welche Erfolge oder Entwicklungen der Executive Education Finance machen Sie besonders stolz?

Neben dem Aufbau des MAS ist auch das Beibehalten unseres flexiblen und modularen Systems eine Errungenschaft, auf die ich sehr stolz bin. Für unsere Teilnehmenden ist dieses Angebot sehr praktisch, auf der administrativen Seite ist es jedoch ungemein komplex. Dass wir das weiterhin anbieten können, ist fantastisch. Zudem finde ich es grossartig, Teil eines kreativen und vielfältigen Teams zu sein, das neue Ideen und Ansätze ausprobieren möchte, seien sie inhaltlicher oder didaktischer Natur. Ich glaube, das zeichnet uns aus.

Welche Rolle spielt die Executive Education Finance in der aktuellen Bildungslandschaft?

Unser Angebot bietet eine hervorragende Möglichkeit für Personen, die sich fundiertes Wissen in den Bereichen Banking, Finance und Sustainable Finance auf innovative Art und Weise aneignen möchten. Spannend ist, dass wir Teilnehmende aus unterschiedlichsten Branchen und mit ganz unterschiedlicher Bildung haben und sich so meist eine heterogene, aber interessierte Gruppe in den Kursen zusammenfindet. Unsere Modularität bietet den Teilnehmer:innen zudem eine aussergewöhnliche Flexibilität, die man nur selten antrifft. Der, falls gewünscht, geringe Anteil an Präsenzunterricht trägt ebenfalls wesentlich dazu bei. In Verbindung mit unserer hochwertigen Ausbildung ergibt sich daraus ein unverwechselbares Alleinstellungsmerkmal.

Welche neuen Lehrmethoden oder Technologien haben Sie in den letzten 15 Jahren in Ihrer Lehre implementiert und warum?

Einerseits spielt das Blended Learning-Konzept für uns eine zentrale Rolle. Weiter konnten wir die Interaktion im Unterricht kontinuierlich steigern, sodass die Teilnehmenden mehr von den Inhalten profitieren können. In einigen Kursen wird die Theorie als eLearning-Video vorab bereitgestellt, sodass der Präsenzunterricht für Bereiche genutzt werden kann, in denen die Dozierenden echten Mehrwert bieten. In der heutigen Zeit, mit Chatbots und KI-Tools, hat die reine Wissensvermittlung an Bedeutung verloren; es geht vielmehr um die Anwendung und Diskussion. Ein zusätzlicher wichtiger Aspekt ist das Game-based Learning, das es den Teilnehmenden ermöglicht, in einem geschützten Raum zu experimentieren und aus Fehlern zu lernen.

Was hat Sie persönlich motiviert, sich in der Weiterbildung zu engagieren?

Meine Hauptmotivation ist, die Teilnehmer:innen gut auszubilden, damit sie verantwortungsvolle Entscheidungen treffen können - sei es mit Geld oder in anderen Bereichen. Zudem schätze ich den persönlichen Austausch sehr. Durch die Diskussionen erhalte ich spannende Einblicke in die Finanzindustrie und lerne selbst stetig dazu. Weiter geniesst man im Weiterbildungsbereich, im Vergleich zur grundständigen Lehre, gewisse Freiheiten. Beispielsweise ist es viel einfacher, didaktische Neuerungen einzuführen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Executive Education Finance in den nächsten fünf bis zehn Jahren?

Die zentrale Frage ist, wie man KI integriert, ohne andere wichtige Aspekte des sozialen Lernens wie Präsenzunterricht, Gruppendiskussionen oder Case Studies zu verlieren. Der Umgang mit diesem Punkt wird den Erfolg einer Weiterbildung bestimmen, da sich der Unterricht verändern wird. Dozierende werden weiterhin Inhalte präsentieren, aber der Zugang zu Wissen wird sich von Büchern und Professor:innen hin zur KI verlagern. Teilnehmende werden die KI nach Antworten fragen und diese anschliessend mit den Professor:innen diskutieren. Ich denke ausserdem, die Flexibilität in der Weiterbildung wird stark zunehmen. Anstelle fester Programme wird es möglicherweise Ansprechpersonen geben, die zeigen, wo man welches Wissen erwerben kann. Derzeit sind Weiterbildungen oft linear, während es zukünftig eher darum gehen wird, spezifische Bedürfnisse zu äussern und passende Online-Kurse oder Präsenzveranstaltungen empfohlen zu bekommen, um Probleme aus dem Berufsalltag lösen zu können. Die Dozierenden werden vermehrt zu Coaches, die den Wissenstransfer fördern.

Integrieren Sie KI schon in Ihren Unterricht?

Ja, vor jeder Vorlesung konsultiere ich die KI, um herauszufinden, welche Inhalte sie vorschlagen würde und wie sie bestimmte Themen definiert. Ausserdem überlege ich, in einer Vorlesung die Programmiersprache Python mithilfe von KI zu integrieren und in den Blended Learning-Kursen unterstützt ein Chatbot den Lernprozess der Teilnehmenden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Executive Education Finance?

Ich hoffe, dass unsere Angebote weiterhin so grossen Anklang finden und dass auch zukünftig viele Teilnehmer:innen den Weg in unsere Kurse und Studiengänge finden. Zudem wünsche ich mir eine sinnvolle KI-Strategie auf Universitätsebene. Derzeit basiert vieles auf Zufall und individueller Initiative, aber ich würde einen vermehrten Austausch innerhalb der Universität schätzen. Viele kluge Menschen beschäftigen sich mit dem Thema, jedoch arbeiten die meisten Bereiche unabhängig voneinander. Es wäre wünschenswert, wenn die Universität den Gedankenaustausch stärker fördern würde. KI wird alle Bereiche betreffen, von der Medizinausbildung bis zum EMBA. Die Studierenden von morgen wachsen mit KI auf und werden es als selbstverständlich ansehen, mit ihr zu interagieren. Daher wünsche ich mir ein schlaues Vorgehen, um die vorhandenen Kräfte zu bündeln.

Worauf freuen Sie sich im Zusammenhang mit dem Jubiläum?

Besonders schön finde ich, dass die Feier die Chance bietet, viele ehemalige Teilnehmer:innen zu treffen und zu erfahren, was ihnen die Weiterbildung ermöglich hat. Auch die Entwicklung von den ersten Teilnehmer:innen bis zu den heutigen Absolvent:innen zu sehen und welche Themen sie bewegt haben und aktuell beschäftigen, das wird spannend.

Herzlichen Dank, Dr. Benjamin Wilding!

(Hier gelangen Sie zur Website der Executive Education Finance und ihrem breitgefächerten Angebot.)

Text: Linda Betschart


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Benjamin Wilding

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